Wie alles begann

Am Anfang stand ein dreifaches Jubiläum: Im Festjahr 1990 blickte die Stadt Weinsberg zurück auf 450 Jahre Lateinschule, 750 Jahre Stadtrechte und die 850-jährige Wiederkehr der Geschichte der treuen Weiber, mit der sie weit über die engen Grenzen des Landes hinaus zu Berühmtheit und Ansehen gelangt war.

 

Für die Gemeinde Anlass genug, eine Tradition neu zu beleben, die bis in das Jahr 1951 zurückreicht, als unter der Leitung von W. Speidel der historische Stoff erstmals in einem eigens von E. Gruber dafür konzipierten Stück auf der Burgruine aufgeführt wurde.

Im Auftrag der Stadt warben die Regisseure K.H. Lumpp und H. Pfitzenmaier in Presse und Rundfunk für das neue Projekt und inszenierten mit einer engagierten, größtenteils aus Weinsberger Bürgern bestehenden Laientruppe Paul Wanners "Schwäbische Weibertreu". Der Erfolg der vier Aufführungen war so überwältigend, dass sich die Veranstalter ermutigt fühlten, im Jahr 1993 eine Wiederaufnahme zu wagen. Jetzt entstand der Wunsch, dem gemeinsamen Interesse am Theater Kontinuität zu verleihen durch die Gründung eines Vereins: 1994 wurde zur Geburtsstunde des Theatervereins Weinsberg e.V. mit K.P. Schütz als erstem VorsitzendenWährend der beiden Spielzeiten - an den langen Probennachmittagen und den angespannten Abenden der Vorstellung – hatten alle Beteiligten die Erfahrung gemacht, dass von der historischen Kulisse der Burgruine eine Magie, ein atmosphärischer Zauber ausging, dem sich niemand entziehen konnte und den kein Theater der Welt je künstlich würde erzeugen können: der natürliche Zauber verwitterter Mauern, alter Inschriften, enger Türme, mächtiger Bäume; von Weite ringsum und Horizont, der blau-violett in die Nacht wächst.

 

"Dieser Raum ist nicht zu inszenieren, dieser Raum inszeniert sich selbst, ist sein eigenes Stück, das sich vom Spiel auf der Bühne nur noch Wort und Handlung entleiht. Dieser Raum sucht sich seine Geschichten in seiner eigenen Geschichte, um sie für unsere Zeit und in unserer Zeit zu vergegenwärtigen."

So der Spielleiter H. Pfitzenmaier auf die Frage, was ihn an der Arbeit auf der Burg besonders fasziniere. Ganz in der Logik dieser Anverwandlung des Ortes stand die neue Produktion der Jahre 1996 und 1998: Mit der "Bauernoper" – einer dramatischen Darstellung der Not und Auflehnung der Bauern zur Zeit der Bauernkriege (Text Y. Karsunke, Musik P. Janssens, Regie G. Trautner / H. Pfitzenmaier, musikalische Leitung F.O. Vogelmann) gelangte ein weiterer großer Stoff, der mit der Geschichte Weinsbergs und der Burg aufs Engste verknüpft ist, auf die Naturbühne.

 
Auch Gastspiele Inzwischen waren aus den Laienaufführungen der Anfänge die Weibertreu-Festspiele Weinsberg geworden. Künstlerisch, technisch und organisatorisch hatte eine deutliche Entwicklung stattgefunden, die sich nicht zuletzt in einer Erweiterung des Gastronomiebereichs und einem breiten Angebot von Gastspielen ausdrückte: Auftritte der Stadtkapelle Weinsberg zusammen mit dem Ballet-Studio Lindner-Klodt, das Kinderstück "Kalif Storch" der Bulling Entertainment, die Liedpoeten H. Immig und C. Pohl, Chansons und Swing mit C. Bielefeldt und T. Hammer. Auch außerhalb der Festspielzeit ist der Theaterverein Weinsberg e. V. im regionalen Kulturgeschehen präsent:

Mit einer "Theatralischen Stadtbegehung", mit dem Kabarettprogramm "Von der deutschen Vergesslichkeit", zuletzt mit dem Stück "Letzter Wille" von F. Kusz .