Totentanzpremiere

Heilbronner Stimme vom 18.11.2011, Text Joachim Kinzinger, Fotos Mario Berger

  

Weinsberg - Wintertheater unter freiem Himmel: Eindrucksvoll haben die Laiendarsteller des Theatervereins Weinsberg auf einer Grasfläche vor der Stadtmauer den "Totentanz" aufgeführt. Rund 100 Premierengäste sind begeistert, von der nächtlichen Atmosphäre, dem ausdrucksstarken Spiel der Akteure, dem Ambiente mit der beleuchteten Johanneskirche im Hintergrund. In warme Decken gehüllt verfolgen die Zuhörer in der Nähe des knisternden Holzfeuers in Fässern das einstündige religiöse Stück von Alois Lippl.

Wärmecreme

"Ich bin ganz entspannt, die Generalprobe ist gut gelaufen", sagt Regisseur Dr. Uwe Deuster kurz vor der Premiere. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt trinkt Zuhörerin Helga Kühner aus Waiblingen einen heißen Punsch: "Ich hoffe, dass der die ganze Zeit warm hält." Mehrere Schichten wärmende Sachen trägt Susanne Ruboks-Thelo, die die Buhlerin verkörpert, unter ihrem Kostüm. Sie hat auch eine Wärmecreme für die Füße gekauft: "Da ist Pfeffer und Ingwer drin." Hochwürden Siegbert Müller bevorzugt ebenso das Zwiebel-Kleidersystem unter seiner Soutane.

Alois Lippl schrieb 1921 den "Totentanz", um den Zuschauern den Respekt vor Kirche und Gott wieder näher zu bringen. Gott ruft den Tod zu sich, damit er auf Erden einen Gerichtstag abhält, Menschen richtet, die immer mehr verwahrlosen − vom Bettler bis zum Kaiser. Das Schauspiel ist eine Aneinanderreihung selbstständiger dramatischer Szenen, neuen Motiven, Situationen, Charakteren.

 

Bereits 2009 führte der Theaterverein dieses Schauspiel auf. Die jetzige Aufführung ist noch intensiver, kraftvoller, die Nuancen der handelnden Personen sind gut herausgearbeitet. Beeindruckend, wie facettenreich Matthias Pfitzenmaier den Tod im schwarzen Gewand, mit weißem Gesicht, dunklen Augen verkörpert. Wie er höhnisch lacht, Mitgefühl zeigt, grausam agiert, unerbittlich die Menschen zum letzten Gang führt. "Jede Szene nimmt einen auf der Bühne emotional mit", sagt Matthias Pfitzenmaier.

Das Leben voller Pracht mit Saufen und Fressen ist für Vogt (Harald Schmollinger) vorbei. Bettler (Uli Otter) muss "drüben nicht mehr betteln gehn". In Geiz und Gier ist die Krämerin (Petra Schlampp) verblendet. Der geistliche Herr (Siegbert Müller) scheidet in Frieden, der Landsknecht (Raimund Köcher) im Kampf. Der emotionale Höhepunkt ist die Szene von Frau Mutter (Claudia Böhm), die um ihr krankes Kind fleht, weint, dann dem Tod folgt. Die schönste Gespielin der Stadt (Susanne Ruboks-Thelo) vertanzt mit Pfitzenmaier Leib und Seele. Herre Kaiser (Andreas Jäger) stößt sich das Messer in die Brust. 

Applaus

Das Ensemble erhält sehr viel Applaus. Die Regisseure Uwe Deuster und Sabine Trinckauf strahlen. "Es hat mir gut gefallen und mich sehr berührt", sagt Ellen Mangatter aus Untergruppenbach. "Toll, es lohnt sich und ist sehr beeindruckend", findet der Untergruppenbacher Joachim Anton.

Proben zum Totentanz

 

Heilbronner Stimme vom 30.09.2011, von Joachim Kinzinger:

 Weinsberg - Zwei Scheinwerfer erhellen den Rasen vor der Stadtmauer. Oben auf der Mauerkrone lauert schon der Tod: unerbittlich, konsequent. Dem besoffenen Vogt vergeht das Lachen. "Dein Zeit ist um", ruft Matthias Pfitzenmaier, der die Hauptrolle facettenreich verkörpert. "Will leben, nicht verrecken", so jammert Harald Schmollinger beim letzten Gang. Die Laiendarsteller des Theatervereins Weinsberg proben für den "Totentanz" auf der Grasfläche am Grasigen Hag hinter der Johanneskirche. Premiere für das Winterstück im Freien ist am Mittwoch, 16. November. Fünf Vorstellungen sind geplant.

Vor zwei Jahren präsentierte das Ensemble erstmals das Stück von Alois Lippl unter freiem Himmel in Weinsberg. Spieler und Bevölkerung hätten den Theaterverein ermuntert, den "Totentanz" erneut aufzuführen, sagt Regisseur Dr. Uwe Deuster. "Wir hätten noch ein paar Vorstellungen spielen können", erzählt der Theatervereinsvorsitzende Matthias Pfitzenmaier angesichts der großen Nachfrage im November 2009. Bei diesem religiösen Stück geht es darum, dass Gott den Tod zu sich ruft, damit er auf Erden einen Gerichtstag abhält und die Menschen richtet, die mehr und mehr verwahrlosen, vom Bettler bis zum Kaiser. Der 1903 in München geborene Autor, der 1957 starb, wollte erreichen, dass die Zuschauer wieder mehr Respekt vor Gott und Kirche haben und den Herrgott als allmächtig anerkennen.

Was ist neu? "Wir haben das Stück etwas umgeschrieben", berichtet Deuster, zudem neue Ideen entwickelt und noch die Rolle des Geistlichen Herrn ins religiöse Stück eingebaut. Siegbert Müller verkörpert den Priester. "Vor zwei Jahren war ich als Zuschauer begeistert", erzählt Müller. An diesem Probenabend mit drei Einzelszenen ist Siegbert Müller nur Zuschauer: "Ich bin da, um ein Gefühl für die Sache zu bekommen."

Motiviert: Die Regisseure Uwe Deuster und Sabine Trinckauf haben die Ansprüche gegenüber 2009 erhöht. "Die Charaktere sind gewachsen", findet Uwe Deuster. Motiviert sind die Akteure. "Es soll noch besser werden als vor zwei Jahren", meint Petra Schlampp, die wiederum die Krämerin darstellt. Selbst in höchster Not will sie noch ein Geschäft mit dem Tod machen. Das Geld "ist wie dein Leben hin", kennt Pfitzenmaier keinerlei Erbarmen. Der Tod kommt im Stück mal hart, mal sanft, mal erlösend, mal lachend, mal sarkastisch.

 

Herausforderung: Für Claudia Böhm ist es eine neue Herausforderung. Sie hat schon manche Paraderolle bei den Weibertreu-Festspielen auf der Burg oder bei Kultur im Glashaus gespielt. "Es ist eine sehr dramatische Rolle", erzählt Böhm. Als Mutter, die um das Leben ihres kranken Kindes bangt. "Da fühlt man als Mutter richtig mit", sagt sie. "Sehr emotional", sagt Trinckauf nach der Probe. "Ihr solltet in der Schlussszene noch mehr in der Mitte stehen", findet Deuster.

Seit Ende Juli laufen die Proben, 17 Termine sind angesetzt, der Komplettdurchlauf ist ab Ende Oktober vorgesehen. Bei schlechter Witterung und Regen kann das Ensemble dann bei den fünf Vorstellungen im November in die benachbarte Johanneskirche ausweichen.

99 Stühle werden pro Aufführung vor der Naturbühne aufgestellt, im Hintergrund die beleuchtete Johanneskirche. Die Zuschauer können sich in Wolldecken hüllen, zudem knistern Scheite in Fässern. Der Verein will laut Pfitzenmaier an der Stadteinfahrt und -ausfahrt ein Banner über die Hauptstraße spannen, um die Aufmerksamkeit auf das Winterstück zu erhöhen.

 

 

 Weinsberger Totentanz

  

Nach dem Großen Erfolg des Totentanzes in 2009 hat sich der Theaterverein dazu entschlossen, das Stück in 2011 in leicht abgewandelter Form erneut aufzuführen. Vom 16. bis zum 26.11.2011 findet an 5 Abenden vor der malerischen Kulisse der Johanneskirche das ca. 55 Min. dauernde Freilichttheater statt.

Umgeben von brennenden Fässern, eingehüllt in Decken erleben Sie ein Theaterstück, das niemanden "kalt" lässt.

  Worum es geht:

Gott der Herre ruft den Tod zu sich, damit er auf Erden einen Gerichtstag abhalte und die Menschen richte, die mehr und mehr verwahrlosen.
 
"dieweyl die menschheit verderbt und schlecht
und sich nicht kehrt umb gesetz und recht,
nicht weiß, daß noch ein HERRGOTT ist,
sundern gemeyn hinlebt und frißt,
mit aug und hertz am boden stiert
und mich und mein gebot verliert.
Die gantze welt ist umbgestalt; —
drum biet ich itzt zur stund einhalt
will richten ein gestreng gericht,
mit ruten peitschen das gezücht,
will ihm erzeigen, daß ich zürn,
weyl sie geworden seind wie würm,
die tief in kot und sumpf rumwühlen
in schlamm und laster wohl sich fühlen.
vielleicht, daß man dann einkehr hält
und sich besinnet auf der welt"
 
 

Keiner wird verschont, gleich ob Vogt, Krämerin ein Bettelmann oder Geistlicher. Teils grausam, teils ehrfurchtsvoll, teils von Mitgefühl geprägt, nimmt der Tod am Ende alle mit. Ein Stück das zum Nachdenken anregt, über die Vergänglichkeit, die Religion und das Schicksal, ein Stück, das Innehalten lässt in der beginnenden Vorweihnachtszeit.

Gönnen Sie sich diese Auszeit!

 

Die Aufführungen finden statt am 16.11., 18.11., 19.11., 25. und 26.11.2011, jeweils um 19.30 Uhr am Grasigen Hag in Weinsberg, bei schlechtem Wetter in der Johanneskirche.

Karten sind für 9€ (inkl. 1 Punsch oder Glühwein) ab dem 19.09.2011 an folgenden Vorverkaufsstellen in Weinsberg erhältlich:

Buchhandlung Margarete Back, Traubenplatz 6, Tel 07134/15282

Sportecke Weinsberg, Heilbronner Straße 63, Tel 07134/8888

oder Online unter www.theaterverein-weinsberg.de/OnlineShop/

 

Weitere Infos zum Stück finden sie unter  dem Menüpunkt Spielzeiten, dort 2009.