Schaurig-schöne Szenen

WEINSBERG: Gelungene Premiere von „Dracula“ bei Weibertreu-Festspielen
Von unserem Redakteur Joachim Kinzinger

Es ist ein Wechselbad der Gefühle, der Emotionen: Düstere, bedrohliche Szenen mit Dracula. Köstliche Momente, wenn der verrückte Renfield auftritt. Schaurige Elemente, wenn die Vam- pirinnen im Nebelmeer fauchen, die weiße Frau über die Bühne schleicht. Das Hauptstück der Weibertreu-Festspiele bietet alles, was Freilichttheater vor so historischer Kulisse faszinierend macht. Rund 400 Zuschauer feiern die Laiendarsteller des Theatervereins bei der Premiere von „Dracula“ am Freitagabend begeistert, spenden viel Szenenapplaus. Eine Stunde vor Spielbeginn ergießt sich noch ein Schauer über Weinsberg. Regisseur Günther Treptow wischt die Sitze auf der Tribüne trocken. „Natürlich kribbelt es“, sagt der Regisseur aus Wien. Er hat Bram Stokers Roman bearbeitet, die Bühnenfassung auf zwei Stunden gestrafft. „Die Darsteller waren gestern sehr gut“, meint er zur Vorpremiere am Donnerstagabend. Das Bühnenbild ist spartanisch, das Gemäuer auf der Burg ideal für dieses Stück. Lichteffekte, Geräusche wie Wolfsheulen, Schlachtgetöse oder der wabernde Nebel ergeben ein stimmiges Bild. Ob auf Schloss Dracula in Transsilvanien oder in London, die Übergänge auf der großen Naturbühne sind fließend, erfordern keine Umbauten.


Facetten: Schon der Auftakt ist brachial. Schmerzverzerrt schreit Matthias Pfitzenmaier (Dracula) seine Verzweiflung über den Tod seiner Frau hinaus. Er schwört Rache, bedroht den Anwalt, saugt die junge Lucy aus. Das Ungeheuer zeigt auch menschliche Züge, wenn seine Liebe zu Mina erwacht. Ausdrucksstark wie immer agiert Pfitzenmaier – seit Jahren ein Garant für Spielkunst. Er lebt die Rolle in allen Facetten aus. Das gilt auch für Andreas Jäger, der den verrückten Renfield mimt, sich in einen wahren Rausch spielt, wenn er in seinem Käfig hoch- klettert, Spinnen isst, seinen Meister in langen Monologen um eine Katze anfleht. Mehrfach gibt es dafür Szenenapplaus. Fabienne-Deniz Hammer (Lucy) stieß erst vor wenigen Monaten zum Ensemble, die Gymnasiastin hat schon reichlich Theatererfahrung und unterstreicht ihr schauspielerisches Talent. Das hat auch Rebekka Schwarz als Mina. Textsicher agieren alle Akteure auf der Bühne. Und mit viel Engagement. Ob Vampirjäger van Helsing (Siegbert Müller), der Doktor der Irrenanstalt (Harald Schmollinger), Anwalt Jonathan (Andreas Eber), Mrs. Westenraa (Susanne Ruboks-Thelo) oder Neuling Frank Buchali als Arthur.


Action: Der Wiener Regisseur hat das Schauspiel sehr flott inszeniert. Die Laiendarsteller überzeugen nicht nur bei Dialogen, sie halten die Spannung und Konzentration auch bei Action-Szenen bis zum Finale. Die Zuschauer applaudieren begeistert, „sehr gut“ oder „gut“ lauten Kommentare. Auch Treptow strahlt: „Man hat gemerkt, dass sie voll in ihrer Rolle aufgegangen sind.“ Mittendrin saß Co-Regisseurin Birgit Schuck im Publikum. Dass es gleich so gut mitgegangen ist, hat die Darsteller „beim Spiel gepuscht“.

Rollen und Darsteller:  Bei der Premiere von „Dracula“ bei den Weibertreu-Festspielen in Weinsberg standen auf der Bühne: Fabienne-Deniz Hammer (Lucy), Rebekka Schwarz (Mina), Jenny Mohr (Victoria), Agnes Janik (Margreth), Susanne Ruboks- Thelo (Mrs. Westenraa), Andreas Jäger (Renfield), Frank Buchali (Arthur Holmwood), Herbert Blumberg (Quincy P. Morris), Siegbert Müller (Dr. van Helsing), Matthias Pfitzenmaier (Dracula), Harald Schmollinger (Dr. Seward), Andreas Eber (Jonathan), Susanne Winzig, Birgit Kirchner, Nicole Carle, Bianca Deli (alle Vampirinnen), Monica Kraus, Isolde Herrmann, Christiane Schmollinger (alle Marktfrauen). Regie führt Günther Treptow . 

[Quelle, Heilbronner Stimme, 14.07.2014, Fotos Heilbronner Stimme]