Burg wird Draculas Schloss

Theaterverein probt für Hauptstück bei Weibertreufestspielen – Premiere am 11. Juli

 

Unaufhörlich prasselt der Regen auf den Container, auf die Rasenfläche. Jedes Wort würde der heftige Schauer unterdrücken. So macht die Probe am Freitagabend auf der Burgruine Weiber treu keinen Sinn. Vereinschef Matthias Pfitzenmaier ruft die Darstel ler an: „Wegen des starken Regens fällt die Probe aus.“ Oder wie es Regisseur Günther Treptow aus Wien formuliert: „Freilicht heißt Wetterkapriolen.“ Dennoch ist bei „Dracula“, dem Hauptstück bei den Weibertreu-Festspielen vom 11. bis 26. Juli in Weinsberg alles im Zeitplan. Am Samstag und Sonntag gibt es keine Einschränkungen. Andreas Jäger und Harald Schmollinger schleppen am Freitagabend noch Requisiten und Getränke in den Container. Auch sie werden nass. Ein trockenes Plätzchen für das Pressegespräch ist im Bauch des Dicken Turms gefunden, bei der Dauerausstellung über die „Herren von Weinsberg“. Vereinschef und Dracula-Darsteller Pfitzenmaier lobt den Zusammenhalt in der Truppe: „Die Mimen sind engagiert.“ Auch die Neuen wie Frank Buchali (Arthur), Susanne Winzig, Bianca Deli (beide Vampirinnen). Oder Fabienne Deniz-Hammer (Lucy), die kurzerhand in die Bresche gesprungen und seit Anfang April beim Hauptstück dabei ist.

Atmosphäre:  „Alle Beteiligten sind intensiv dabei, alle ziehen an einem Strang“, sagt Treptow zufrieden. Der Wiener Regisseur hat den Erfolgsroman um Vampire, Liebe und Leidenschaft von Bram Stoker bearbeitet und 2013 bei den Festspielen in Ochsenhausen uraufgeführt. Die Weinsberger Fassung mit rund zwei Stunden ist kürzer. „Die Umsetzung ist anders, es ist eine neue Herausforderung.“ Günther Treptow verzichtet auf Bühnenaufbauten, um die Atmosphäre der Burgruine als Schloss Dracula nicht zu zerstören. Geräusche, Licht und Nebel werden eine wichtige Rolle spielen. In die vielschichtige Rolle des blutrünstigen Grafen hat sich Pfitzenmaier seit Oktober eingearbeitet, mehrere Bücher über ihn gelesen. Mal wütend, mal gnadenlos, mal eine verletzte Person, von den Gefühlen zu Mina zerrissen. Der Zwiespalt, die vielen Facetten Draculas faszinieren Pfitzenmaier.

 Im Winter hat er noch als Butler James in „Dinner for One – wie alles begann“ geglänzt, jetzt mimt Andreas Jäger (Renfield) einen Verrückten in der Irrenanstalt, der sich von Spinnen, Mäusen, Insekten ernährt. Die „gespaltene Persönlichkeit“Renfield ist eine völlig andere Rolle. „Meine Familie hat gesagt, ich soll ganz mich spielen“, scherzt Jäger. Harald Schmollinger (Dr. Seward) meint zu seiner Rolle und seinem Patienten Renfield: „Der Unterschied in der Irrenanstalt ist, die Patienten haben keinen Schlüssel.“ Das Hineinleben in diverse Charaktere, die Interaktion, bei der manche Blicke mehr als Worte sagen, darauf kommt es laut Treptow an.

 

Konzentration:  Die Proben konzentrieren sich auf der Burg auf einige lange Wochenenden, an denen Treptow aus Wien anreist, Co-Regisseurin Birgit Schuck aus Eislingen. „Das ist intensiver als ein Tag“, schätzt Pfitzenmaier diese Veränderung. Ein Vampir benötigt natürlich Aufsteckzähne. Sechs Gebisse fertigt das Obersulmer Zahntechniklabor Golla dafür an.

[ Quelle: Heilbronner Stimme, 06.05.2014, Text: Joachim Kinzinger]