Das Wirtshaus im Spessart auf der Weibertreu

Kritik Sulmtaler Woche

Gelungene Premiere des Weinsberger Theatervereins

 

So turbulent und heiß dürf­te es seit der Zerstörung der Burg im Bauernkrieg, im Jahr 1525, schon lange nicht mehr zugegangen sein auf der Weinsberger Weibertreu. Knapp 5OO begeisterte Zuschauer erleben auf der Weibertreu die Premiere der Räuberkomö­die. Für Regisseur Heinz Kipfer ist das Stück nicht fremd. 1995 hat er es bereits als Fest­spielleiter in Gemünden am Main inszeniert. Die Weins­berger Schauspieler kennt er bereits von den letztjährigen Festspielen auf der Burg Stettenfels. Von dort kommt auch etwa die Hälfte des Schauspie­lerensembles. Zusammmen treiben sie heuer auf der Wei­bertreu ihr Unwesen.

Der Vor­sitzende des Theatervereins Weinsberg, Dr. Uwe Deuster, freut sich bei der Begrüßung nicht nur über das optimale Wetter, sondern auch über die bereits ausverkauften nächsten Vorstellungen. Bürgermeis­ter Stefan Thoma überbringt die Grüße der Stadt Weins­berg für dieses kleine Jubilä­um, die zehnten Festspiele des Weinsberger Theatervereins und bezeichnet die Veranstal­tung als einen herausragenden Punkt des kulturellen Gesche­hens der Kernerstadt. Die Räu­berkomödie spiegelt die unsi­cheren Zeiten früherer Jahr­hunderte wider. Erinnerungen an die Räuber des Mainhardter Waldes oder den berühmt berüchtigten Schinderhannes werden wach.
 

Das Stück hat viel Frauen­power. Die Männer kom­men dabei überhaupt nicht gut weg. Selbst der imposan­te gestandene Räuberhauptmann (Matthias Pfitzenmaier) verfügt nicht über die Autori­tät, die einem Boss einer Räu­berbande zukommt. Der etwas dümmliche Gottfried (Harald Schmollinger) gibt eine ebenso traurige Figur ab wie Graf von Sandau (Michael Thelo). Die Liste der etwas zu kurz gekom­menen Männer könnte beliebig fortgesetzt werden. Die Frauen haben im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen an und über­bringen in Männerkleidern die Lösegeldforderung der Räu­ber. Gräfin von Sandau (Katrin Bayer) dirigiert die Soldaten­truppe des Grafen und Hilaria von Kiebitz (Susanne Ruboks-Thelo) findet plötzlich Gefallen am wilden Räuberleben. Die Naturbühne der Weiber­treu ist wie geschaffen für das Stück. Die Lichteffekte setzen das wilde Geschehen gekonnt in Szene und das schaurige Käuzchen (Moya Pfitzenmai­er) flattert in Vogelkleidern im dunklen Forst herum. Regis­seur Heinz Kipfer hat so man­chen gelungenen Gag ins Stück eingebaut. Die Kanone spuckt Feuer und Rauch, in der Küche des Wirtshauses wird eine Kat­ze zu feinstem Wildragout ver­arbeitet und der Steuereintrei­ber des Grafen (Gerald Trink­auf) rennt nackt in einem Fass über die Bühne. Die Laien­schauspieler präsentieren die Humoreske gekonnt und pro­fihaft.

 

Wie erwartet, kommt es zum Schluss zum Happy End. Das großartige Erlebnis des Stückes wird noch getoppt durch einen Blick von der Weibertreu hinunter auf das Weinsberger Tal und die Stadt mit ihren vielen Lichtern. Margarete Neubauer aus Heil­bronn ist das erste Mal bei den Weibertreu-Festspielen und ist begeistert, insbesonde­re von dem Ambiente. „Die schrägen Typen sind sehr gut gemacht“, lobt Stammgast Klaus Friedrich aus Weinsberg. „Ein dickes Lob nicht nur den Schauspielern, sondern auch der traumhaften Naturbüh­ne“, kommt von Elfriede und Rolf Reichert aus Willsbach. Monika und Eduard Klein aus Affaltrach sind „Fans von Frei­lichtspielen“ und finden: „Die Regie von Heinz Kipfer ist wie­der einmal unverkennbar gut. Die Schauspieler bringen das Stück engagiert und professi­onell rüber“. Text  (hlö), Fotos Jürgen Frahm

 Großartige Premiere der Weibertreufestspiele auf der Burgruine Weibertreu

Kritik Nachrichtenblatt der Stadt Weinsberg

 

Schönstes Sommerwetter begleitet die nach monatelangen Proben ungeduldigen Spieler und das erwartungsvolle Publikum, als der Vor­sitzende der Theatervereins, Dr. Uwe Deuster, zusammen mit Bür­germeister Stefan Thoma die Weibertreufestspiele zu ihrer 10. Spiel­zeit mit dem Stück „Das Wirtshaus im Spessart“ von Wilhelm Hauff in einer Bearbeitung des Regisseurs Heinz Kipfer eröffneten. Mit 460 Besuchern war die Veranstaltung mehr als ausverkauft und alle verfügbaren Sitzgelegenheiten mussten herangeschafft werden, um dem Besucheransturm gerecht werden zu können. Kurz nach­dem die Fanfare zum 3. Mal ertönt war, sorgte ein nackter Mann im Fass, gejagt von einem Räuber für den ersten Lacher. Mit Tempo und Witz zogen die Akteure das Publikum in ihren Bann und wurden ein ums andere Mal mit Szenenapplaus belohnt. Vom verliebten Räuber­hauptmann über den sich selbst überschätzenden Grafen bis hin zum Räuberlehrling waren alle Spieler hoch motiviert und überzeugten mit hervorragender Leistung. Diese Leistung wurde durch die Kostüme unterstützt, die jeden Charakter unterstrichen. Die schönen Roben der feinen Damen und Adligen ebenso wie die „im Dreck gehärtete“ Räu­berkluft.

 

Das Bühnenbild lässt wie in den Jahren zuvor die Naturkulis­se der Burgruine wirken und fügt sich nahtlos in das Gesamtkonzept ein. Dieses Ergebnis ist umso bemerkenswerter, wenn man berück­sichtigt, dass alles in Eigenarbeit aus natürlichen Materialien errichtet wurde. Licht und Ton waren von gewohnter Qualität auf höchstem Niveau. Nach dem Schlussapplaus waren sich die Zuschauer einig, dass diesmal wieder eine ganz hervorragende Leistung des Theater­vereins Weinsberg und aller Beteiligter gewesen ist, und dass sich die 2009 begonnene Kooperation mit Untergruppenbach gelohnt hat. Auch die Vorstellungen am Samstag und Sonntag haben die nach der Premiere noch höheren Erwartungen der Zuschauer erfüllt und rechtfertigen, dass die Weibertreufestspiele 2010 bereits jetzt nahezu ausverkauft sind. Wenige Restkarten sind noch beim Reiseservice Anton und in der Sportecke zu erhalten. Der Theaterverein Weinsberg freut sich auf Ihren Besuch!

Fotos. Jürgen Frahm

Auf der Burgruine werden alle Register gezogen

Kritik Heilbronner Stimme, 19.07.2010.  Von Claudia Kostner.

Weinsberg - In Weinsberg führen die Frauen das Regiment, auch wenn der Theaterverein das "Wirtshaus im Spessart" auf die Naturbühne bringt. Da macht es keinen Unterschied, ob es sich bei den Männern um Räuber oder um Adlige handelt. Die Komödie frei nach Wilhelm Hauff, in Szene gesetzt von Regisseur Heinz Kipfer, erntete bei der ausverkauften Premiere der zehnten Weibertreu-Festspiele am Freitagabend Lacher und jede Menge Applaus. Die Laien-Darsteller überzeugten mit Spielfreude.

 

"Wir Frauen kämpfen nicht gegen etwas, sondern für die Vernunft. Und manchmal muss man allen Männern zu ihrem Glück ein wenig nachhelfen." Dieser Satz von Katrin Bayer als kluge und resolute Gräfin von Sandau charakterisiert die Rollenverteilung im Stück.

Sauhaufen - Das gilt sogar für den Räuberhauptmann Matthias Pfitzenmaier, dem diese Figur auf den Leib geschneidert scheint. Er ist kein Schurke, wie man ihn sich vorstellt. Gutaussehend, gebildet, mit Berufsethos. Seine Bande dagegen: "ein Sauhaufen" − "Riecht so ein Räuber, der was auf sich hält?" Furchteinflößend sind sie auch nicht gerade, Flocke (Ellen Cramblit-Vogel), Lieschen (Amelie Hoch), Haltefest (Günther Hörl) und wie sie alle heißen. Ihr "Geld oder Leben!" klingt jedenfalls nicht sehr überzeugend.

Die Kompanie des Gegenspielers, des Grafen von Sandau, ist aber auch recht jämmerlich − vom kriegsmüden Adjutanten (Markus Hohmann) bis zu einigen Zwangsrekrutierten, wie dem trunksüchtigen Pfarrer (Siegbert Müller). Der Graf selbst: Ein einfältiger Pantoffelheld, aber vom Volk als "Blutsauger" gefürchtet, überzeugend und mit Humor dargestellt von Michael Thelo.

Liebesgeschichte - Nahe dem "Wirtshaus im Spessart" gerät die Kutsche von Helena, der Tochter des Grafen (Claudia Böhm), und ihren Begleiterinnen Hilaria von Kiebitz (Susanne Ruboks-Thelo) und Margarethe (Marina Herbrik) in eine Falle. Der Hauptmann will für Helena Lösegeld erpressen, verliebt sich aber in sie. Und wie hätten er und seine Männer ahnen können, was in den Frauen steckt? Erst schlägt Gouvernante von Kiebitz die Räuber Thanhaus (Andreas Jäger) und Spieß (Hans Reuter) mit ihrem Schirm k.o., später lässt sie sich von ihnen umschwärmen. Margarethe und Helena genießen das Abenteuer ebenso, tauschen ihre Kleidung mit den Handwerksburschen Florian (Fritz Opel) und Felix (Thomas Feyerabend) und holen das Lösegeld.

Eine vermeintlich frivole Szene im adeligen Ehebett. Der Hauptmann, der seine Verletzung am Hinterteil entblößt. Ein Räuberhaufen unter weiblichem Kuratel. Kanonenschüsse, Massenauftritte und Musik. Die Schauspieler ziehen vor allem nach der Pause alle Register, um ihr Publikum zu unterhalten. Und das dankt es auch mit Szenenapplaus. Sei es für den wilden Purzelbaum von Kaspar Stumpf (Rolf Merkle) oder den lebhaften Traum von Pfütze (Michael Binder).

Bühnenbild, Kostüme, Maske und Requisiten sind stimmig, die Texte sitzen. Nach über 50 Proben erntet die Truppe um den Theatervereinsvorsitzenden Dr. Uwe Deuster die verdienten Lorbeeren. ......

Weitere Vorstellungen am 21., 23., 24., 25. und 27. Juli, jeweils 20.30 Uhr. Karten gibt es beim Reisebüro Anton in Weinsberg, Telefon 07134 98500.

Räuberleben auf der Burg, Gelungene Premiere: „Das Wirtshaus im Spessart“

Kritik Sulmtal.de

„Geld oder Leben“, die Furcht einflößenden Aufforderung muss die Räuberbande noch üben, außerdem muffelt es da ziemlich streng aus den Räuberklamotten. „Wer so riecht, dem glaubt man nicht, dass die Pistole los gehen kann“ rügt Räuberhauptmann (Matthias Pfitzenmaier) seine wasserscheuen Gesellen. Schließ­lich wolle man ja die reiche Ge­sellschaft überfallen, also ein bis­schen mehr Stil, fordert er von seinem Haufen. „Räuber zu sein ist das Schlimmste, was ich so kenne“ klagt „Haltefest“ nach der Erzählung des schwäbischen Dichters Wilhelm Hauff in seinem „Wirtshaus im Spessart“ Räuber­banden zu denen sich Frauen und Männer in der damaligen Zeit zusammenschlössen, waren das letzte Mittel zum Überleben. Der Heilbronner Regisseur Heinz Kipfer hat das Räuberleben nach Wilhelm Hauff in seiner moderni­sierten Fassung als „wilde Komö­die“ bearbeitet und jetzt zum er­sten Mal auf der Burgruine Wei­bertreu mit dem Theaterverein aufgeführt. In der Weinsberger Fassung haben die Frauen die Hosen an, ob im Räuberlager oder am Hofe. Hier sorgt ein verliebter Räuberhauptmann für Wirbel und für Unmut bei seinem Spieß (Hans Reuter). Verständlich, wenn die Angebetete Helena (Claudia Böhm) mit ihrer Zofe (Marina Herbrik) in Männerkleidung selbst Räuber werden wollen, sich hin­gegen die Handwerksburschen Florian (Fritz Opel) und Felix (Tho­mas Feyerabend) in höfischer Da­menkleidung wieder finden.

 

Für den eigenen Vorteil sorgt die cle­vere Wirtin (Claudia Posovsky) des Räuberschlupfwinkels. Da gibt es noch den durchgeknallten Grafen (Michael Thelo), der die Räuber besiegen will. Dem besorgt seine Gattin (Katrin Bayer) die nötige Bodenhaftung: „Wir Frauen kämpfen für die Ver­nunft, manchmal muss man den Männern hier etwas nachhelfen“ Dagegen lässt sich die resolute Gouvernante (Susanne Ruboks-Thelo) gerne den Hof von den Räubergesellen Haltefest (Günther Hörl) und Thanhaus (Andreas Jäger) machen, pfiffige Dialoge wechseln sich mit be­wegten Szenen im Räuberlager (vor dem Burgfried) ab, die der Aufführung Schwung geben. Die Naturkulisse der Burgruine er­gänzt mit passender Dekoration das Wirtshauses (vor dem dicken Turm) und versetzt die Zuschauer in die Stimmung des Stückes. Die Spiellaune der 35 Laienschauspieler quittierten die Premierenzu­schauer am lauen Sommerabend mit viel Beifall. Gäste aus dem Kraichgau und aus Eppingen wa­ren zum ersten Mal hier und zeig­ten sich von der vergnüglichen Aufführung begeistert. Vereins­vorsitzende Dr. Uwe Deuster freute sich über die Resonanz. Seit zehn Jahren führt bereits der Theaterverein Weinsberg die Weibertreufestspiele im zweijährigen Rhythmus durch mit immer wie­der neuen Inszenierungen.

T/F: mic; Fotos: Jürgen Frahm