Von der Sehnsucht nach  Frieden

 Heilbronner Stimme, 04.07.2008, Heike Kinkopf, Fotos von JürgenFrahm

Weinsberg - Malerisch die Naturkulisse der Burg Weibertreu. Mit Herz bei der Sache agieren die 49 Darsteller des Weinsberger Theatervereins. Sie erhalten für die rundum gelungene Aufführung „Der Weiber Treu“ den begeisterten Applaus des Publikums.
  

Streitbare Frauen tragen wollene Röcke und Hauben. Im munteren Einklang hängen sie behände die Wäsche auf, tauschen sich aus über politische Rangeleien zwischen Staufern und Welfen. Dem Frieden zugetan, gilt die Sorge der Weinsbergerinnen dem drohenden Ungemach. Und ihren Männern.

Diese schwören sich auf den Krieg ein. Dem Herzog Welf halten sie die Treue. Es geht um „Tod oder Leben“, lässt der Schultheiß an der Brisanz der politischen Auseinandersetzung keinen Zweifel aufkommen. Auf dem blutigen Schlachtfeld tobt der Krieg, in Weinsberg werden die Lebensmittel knapp. Der Kampf wird allerdings nicht durch die Waffen entschieden. Die weibliche List ist es, die den Männern am Ende das Leben rettet.

 

Zwischentöne Sichtlich gelöst freut sich Regisseur und Stückeschreiber Jürgen M. Brandtner am Freitagabend über die gelungene Premiere. Er verspürt einen „leisen Anflug von Stolz“, sagt er und lacht. Stolz darf er sein.

 

Brandtner verleiht dem spaßigen Plot um Frauen, die ihre Männer am Schluss huckepack nehmen, leise, nachdenkliche Zwischentöne. In Wortgefechten zwischen Frauen auf der einen und Männern auf der anderen Seite findet die Auseinandersetzung mit Krieg und Frieden statt. Ohne erhobenen Zeigefinger. Den Laiendarstellern gelingt es durch die Bank, der Sehnsucht der ganz normalen Leute nach einem friedvollen Leben ein Gesicht zu geben. Allen voran die Figuren Gertrude und Hedwig. Die Rollen sind mit Katrin Bayer und Andrea Ehrhardt hervorragend besetzt. Mit wachem Verstand die eine, mit Stärke und Leidenschaft die andere führen die zwei Frauen ihre Geschlechtsgenossinnen an.

 

 

 

 

Wie ein roter Faden ziehen sich die erheiternden Auftritte des reimenden Greises durch die Inszenierung. Auch hier beweist Brandtner das richtige Fingerspitzengefühl. Er lässt Andreas Jäger einen Part übernehmen, der zwar auf den Fortgang der Geschichte keinen Einfluss nimmt. Jägers Spiel verleiht der Inszenierung zusätzlichen Pfiff und eine gehörige Portion Humor. Genauso der Narr, gespielt von Susanne Ruboks-Thelo, der dem Stück eine Klammer gibt.

 

 

 

Tempo Zwischenmenschliches kommt auf der Burg nicht zu kurz. Reinhardt alias Matthias Pfitzenmaier markiert den unbeschwert-fröhlichen Frauenschwarm. Sein Freund Heinrich (Boris Gau) steht zwar im Kampf seinen Mann, mit der Pazifistin Hedwig indes tut er sich schwer.

 

Das temporeiche Spiel auf der Weibertreu kommt bei den Besuchern gut an. Leon (71) und Erika (80) Lehmann aus Florida sind zu Besuch im Unterland und begeistert: „Sehr schön, sehr natürlich“, lobt Lehmann die Inszenierung. Gerhard Bayer (60) aus Talheim ist überzeugt, „dass es eine der besten Aufführungen“ des Theatervereins ist. Alle vor und hinter den Kulissen haben daran ihren Anteil.