Die lustigen Weiber von W.

nach William Shakespeare in einer Bearbeitung von Jürgen M. Brandtner

 
Hans Falstaff, Ritter von der beleibten Gestalt, ist vor allem den leiblichen Genüssen zugetan: Fressen, Saufen, Raufen. Die sind nicht umsonst zu haben, und so kann er immer Geld gebrauchen. Was für ein Glück, dass es in W., dem kleinen, verschlafenen Kaff, in dem er im Gasthof zum Hosenbande residiert, reiche Bürger gibt, die man schröpfen kann!

  

Um dabei noch ein wenig zusätzliches Vergnügen zu haben, will er das Geld der Bürger auf dem Umweg über deren Frauen einsacken. Flugs lässt er den beiden ehrbaren Bürgersfrauen Pasch und Flut zwei bis auf deren Namen identische Liebesbriefe zustellen. Diese, eng befreundet und nicht auf den Kopf gefallen, sind empört über Falstaffs Unverschämtheit und beschließen, ihm eine Lektion zu erteilen. Sie stellen ihm eine Falle, in die er auch prompt tappt, mit äußerst unerfreulichen Konsequenzen für ihn. Er hat dennoch nicht genug und geht auch in eine zweite Falle, mit noch schmerzhafteren Folgen. Als es ihm auch dann noch nicht reicht, beschließen die Frauen und ihre mittlerweile eingeweihten Ehemänner, ihm eine weitere, und diesmal hoffentlich wirksame, Lektion zu erteilen. Falstaff ist nicht der einzige mit Problemen der amourösen Art: Die liebreizende Jungfer Anne Pasch, siebzehn Jahre alt und von beträchtlichem Vermögen, soll verheiratet werden. Gleich drei Freier buhlen um ihre Gunst: den einen hat ihr der Vater zugedacht, den anderen die Mutter; sie selbst aber will nur den dritten. Alle drei beschließen, beim - eigens für Falstaff inszenierten - Elfentreiben im nächtlichen Wald sich mit Jungfer Anne geschwind trauen zu lassen und so die anderen vor vollendete Tatsachen zu stellen. Doch nur einer kann dabei erfolgreich sein ...

 

Eine Nachschau der Burgfestspiele 2004 von Dr. Uwe Deuster (Vorsitzender Theaterverein Weinsberg e.V.) Shakespeare hätte seine Freude!! Shakespeare auf einer Freilichtbühne, gespielt von einem Amateurtheater? Kann das gehen? Und ob! Wir, die Mitglieder, wie auch die Freunde des Theatervereins Weinsberg haben zu den diesjährigen Weibertreu-Festspielen unter Leitung von Jürgen M. Brandtner mit „Die lustigen Weiber von W.“, wie wir meinen, wieder mit Erfolg eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Produktion auf die Bühne gebracht. Jedoch verdanken wir diesen Erfolg natürlich nicht nur Shakespeare, seinem Stück und allen die an der Produktion beteiligt waren, sondern zum einen dem Wetter, dass ja trotz mancher Zitterpartie und einer Vorstellung, die wegen Gewitter leider abgebrochen werden musste, dennoch alles in allem recht gnädig zu uns war. In erster Linie dankbar sind wir aber natürlich unserem Publikum, dass jeglichen Wetterkapriolen getrotzt hat und trotz Kälte, Wind oder Regen ausgeharrt und unser Ensemble mit guter Laune und kräftigem Applaus unermüdlich unterstützt hat. Ein „langes, kurzweiliges Stück um den fetten Ritter Falstaff und die gewieften Frauen der Stadt W.“, wie der Prolog ankündigt, das durch zielgenaue Pointen und ausgefeilten Wortwitz die Zeit im Nu vergehen lässt. Ein besonderer Effekt wird zudem durch die vielfältigen Dialekte der Spieler erzeugt. Nahezu 3 Stunden wird ein abwechslungs- und temporeiches Geschehen dargestellt, in dem die Narren schamlos als solche bloßgestellt werden und die Liebenden, wie sollte es in einer Komödie anders sein, schlussendlich den Segen aller bekommen. Zur Bereicherung der insgesamt fast 4000 Zuschauer birgt der 5. Akt neben musikalischen Elementen von Mendelssohn-Bartholdy den Auftritt der Elfen und Feen. Mit Leichtigkeit schweben sie, von Renate Lindner-Klodt im eigenen Ballettstudio trainiert und arrangiert, über die Bühne und bieten ein bewusstes Gegengewicht zu dem feisten Ritter, den die Elfen und Feen denn auch sogleich mit Spott überziehen. Doch ein solches Unternehmen braucht mehr als engagierte, textsichere Schauspieler. Ein ganzes Team ist ebenfalls ehrenamtlich im Hintergrund tätig, um die Rahmenbedingungen für das Gelingen zu schaffen. Und das schon Monate im Voraus. Jedes Detail muss bedacht werden, letztlich befindet sich ein ganzer Hausstand auf dem Burgberg. Bärte kämmen, stutzen, Frisuren legen, Zöpfe flechten, Perücken richten, Schminke hier und Rouge da, die Augen betonen, dem Braungebrannten die vornehme Blässe zurückgeben: Es ist ein hartes Stück Arbeit bis aus Herr/Frau X. die Figur wird, die das Auge des Betrachters zu sehen bekommt: Neben den Frisören Kyre and Friends bot die Arcana Schminkschule jeden Abend ein Team auf, um die von Edith Bender sorgsam ausgesuchten Kostüme noch ein bisschen mehr zur Geltung zu bringen. Als Garderobe dient in der Zeit ein großes Zelt. Das Catering, also die Versorgung der Zuschauer mit kleinen Snacks und ausgesuchten Getränken hat wie in den vergangen Jahren das Team des Theaterfördervereins um Gerhard Lindauer in gewohnter, fröhlicher Manier mit vielen freiwilligen Helfern bewerkstelligt. Auf der technischen Seite (Gerald Trinckauf, Corvin Tondera-Klein, Julius Berghoff) konnte durch eine Konstruktionsänderung der Tribüne die Beleuchtung noch besser abgestimmt und das Ensemble ins rechte Licht gerückt werden. Gleichzeitig wurde die Beschallung der gesamten Tribüne optimiert, so dass nunmehr Auge und Ohr auf allen Plätzen gleich genießen können, ohne von Wind- oder Autobahngeräuschen abgelenkt zu werden.. Mit viel Liebe zum Detail hat Gretel Handel, sowie Bernd Handel, Günther Hille und Rainer Kopp ein Bühnenbild geschaffen, das die Naturkulisse der Burgruine einerseits einbindet, andererseits aber durch Form- und Farbgebung einen eigenen, wohnlichen Charakter mit Blumen und Vorgärten entwickelt. Die zwischen oder in den Akten notwendigen Änderungen sind mit wenigen Handgriffen ausgeführt, so dass die Akteure diese innerhalb der Szene umsetzen können. Und nach der Aufführung? Ist noch lange nicht Schluss! Nach dem Schlussapplaus ist hie und da das Knurren eines Magens zu hören. Es ist Mitternacht und den Spielern wird klar, dass man mit Vorbereitungen wie dem Richten der Requisite und der Veranstaltung wieder mehr als 6 Stunden auf „unserer“ Burg verbracht hat. Und nun? Auf Anneliese und Walter Steger sowie Hans Unterhuber ist Verlass. Das Essen ist gerichtet, die Getränke sind gekühlt und am nächsten Tag ist alles aufgeräumt und gespült. Denn dann geht es nach dem 3. Gong von Neuem los mit der Frage: „Was gibt’s für Zeitvertreib an diesem Abend?“. Nur am 27.7. nach der letzten Vorstellung ist alles anders. Nach der Abschlussfeier wird der Abbau geplant, denn alles muss wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt werden. So sieht es der Überlassungsvertrag mit dem Justinus Kerner und Frauenverein Weinsberg eV vor. Ist das auch Geschehen kann man sich endlich um die wichtigen Dinge wieder kümmern: Was spielen wir denn in 2 Jahren?

William Shakespeare

Leben

 Frühe Jahre:

Shakespeares genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert. Das Datum seiner Taufe ist in den Taufregistern von Holy Trinity Church in Stratford mit dem 26. April 1564 eingetragen. Da es in jener Zeit allgemein üblich war, die Kinder drei Tage nach der Geburt zu taufen, ist anzunehmen, dass er am 23. April geboren wurde. Diese Annahme ist zudem aus dem Grund reizvoll, dass Shakespeare auch an einem 23. April starb, nämlich im Jahr 1616.

William Shakespeare ist der Sohn John Shakespeares und Mary Ardens; seine Mutter entstammt einer wohlhabenden Familie des niederen Adels. William besuchte vermutlich die Lateinschule in Stratford-upon-Avon. Genau weiß man das nicht, weil keine Aufzeichnungen oder Schülerlisten aus jener Zeit mehr vorhanden sind, aber für den Sohn eines erfolgreichen Bürgers der Stadt kam wohl kaum etwas anderes in Frage als die beste erreichbare Schulausbildung. Zudem zeugen zahlreiche Zitate aus Schulbüchern der grammar school von einem wahrscheinlichen Besuch. Sollte er tatsächlich diese Schule besucht haben, ist er in Latein, Geschichte, Morallehre und Dichtkunst unterrichtet worden.

1582 heiratete er mit 18 Jahren die um 8 Jahre ältere Bauerntochter Anne Hathaway. Das genaue Datum der Hochzeit ist unbekannt, aber das Aufgebot wurde am 28. November bestellt. Sechs Monate danach, am 26. Mai 1583, wurde seine Tochter Susanna geboren. Es knüpfen sich allerlei Spekulationen an die Tatsache, dass William eine ältere Frau wahrscheinlich nur deswegen heiratete, weil sie ein Kind von ihm erwartete. Auch, dass er schon bald seine Familie verließ, um nach London zu gehen, und dass er Anne in seinem Testament später nur sein second-best bed (sein zweitbestes Bett) hinterließ, mag auf eine wenig glückliche Ehe deuten. Andererseits kann die Ehe so schlecht nicht gewesen sein, denn die Shakespeares hatten insgesamt drei Kinder (die Zwillinge Hamnet und Judith kamen am 2. Februar 1585 zur Welt – Hamnet starb 1596 im Alter von nur 11 Jahren), und in späteren Jahren kehrte er als reicher Mann nach Stratford und zu seiner Frau zurück, kaufte dort ein großes Haus (New Place), und lebte fortan mit seiner Familie.

Die verlorenen Jahre

Nach der Geburt der Zwillinge verschwindet Shakespeare aus den offiziellen Dokumenten, und wohl auch aus Stratford. Über die folgenden acht Jahre seines Lebens weiß man bis heute nichts. Diese Zeit wird deshalb the lost years (die verlorenen Jahre) genannt. Über die fragliche Zeit gibt es keine Tatsachen-Erkenntnisse, aber umso mehr Vermutungen. So soll William als Wilderer verhaftet worden sein und eine Zeit im Gefängnis verbracht haben. Oder er soll als Schulmeister gearbeitet haben. Dann wieder heißt es, er habe als Söldner in den Niederlanden gekämpft, oder er habe sich als Diener bei einer adligen Familie verdingt. Auch wird vermutet, er habe längere Zeit auf einer Reise zum Kontinent verbracht, - womöglich bedeutende Persönlichkeiten kennen gelernt (Michel de Montaigne, Giordano Bruno). Am glaubwürdigsten ist vielleicht die Geschichte, dass er sich einer reisenden Theatertruppe nach London anschloss und dort am Theater Hilfsdienste verrichtete.

Das erste schriftliche Dokument, das belegt, dass er sich in London aufhielt, stammt von dem Dichter Robert Greene, der ihn 1592 in einem Pamphlet als Emporkömmling diffamierte, der sich Dinge anmaßte, die ihm nicht zustünden, da er ja nicht wie die angesehenen Dichter seiner Zeit seine Kunst an der Universität gelernt hätte: "There is an upstart crow, beautified with our feathers, that with his tygers heart wrapt in a Players hide supposes he is as well able to bombast out a blank verse as the best of you; and, being an absolute Johannes Factotum, is in his own conceit the only Shake-scene in a country". – Das Wortspiel Shake-Scene ist dabei offensichtlich eine Anspielung auf Shakespeare.

Dieses Pamphlet wurde nach dem Tode Greenes veröffentlicht, und der Herausgeber fügte gleich eine Entschuldigung bei, woraus man schließen kann, dass Shakespeare schon bekannt, vielleicht auch populär war und einflussreiche Gönner hatte. Er war zu dieser Zeit bereits Mitglied der Truppe Lord Strange's Men, die sich ab 1594 Lord Chamberlain's Men nannte; Shakespeares Schauspieltruppe war eine der führenden des elisabethanischen London. Kurz nach seiner Thronbesteigung macht James I. sie als King's Men zu seiner eigenen.

 Stückeschreiber und Schauspieler

Shakespeare arbeitete als Schauspieler in kleineren Rollen, war Teilhaber an der Theatertruppe und damit an allen Gewinnen beteiligt. Die immer noch herrschende Ansicht ist, dass er für seine Truppe Schauspiele schrieb. Diese Stücke waren überwiegend sehr erfolgreich und brachten hohe Einnahmen. Wenn man bedenkt, dass London damals etwa 100.000 Einwohner hatte, ein Theater bis zu 3000 Zuschauer fasste, und es mehrere Schauspielhäuser in London gab, dann kann man ermessen, welch ein wichtiges Medium das Theater im elisabethanischen London war. Man sieht daran aber auch, wie viele Stücke gebraucht wurden, um das Publikum zufrieden zu stellen. Wenn ein Schauspiel drei- bis viermal hintereinander aufgeführt worden war, musste ein neues her, um das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums zu befriedigen.

So waren Shakespeare und viele andere als Stückeschreiber sehr begehrt. Es war durchaus üblich, ältere Stücke umzuschreiben und wieder neu aufzuführen; Shakespeares Hamlet ist eine solche moderne Adaption eines älteren Stückes. Oder man verarbeitete Sagen und Märchen zu Dramen, wie etwa König Lear. Stücke entstanden auch nach gedruckten Quellen, etwa italienischen Novellensammlungen oder Chroniken. Eine ebenfalls gängige Methode war, von erfolgreichen Stücken Fortsetzungen zu schreiben. So war die Figur des Falstaff in Heinrich IV so populär, dass ihn Shakespeare in Die lustigen Weiber von Windsor wieder aufleben ließ.

Im Theater dieser Zeit galt der Publikumserfolg eines Stückes als einziges Kriterium seiner Aufführbarkeit. Einen "Kulturbetrieb" in unserem Sinne oder ein künstlerisches Bewusstsein der zahlreichen Autoren gab es nicht. Am ehesten treffen Merkmale der heutigen Unterhaltungsindustrie die damalige Praxis. Stücke gingen in den Besitz der jeweiligen Schauspieltruppen über und wurden ängstlich gehütet, damit kein anderes Theater an den Text gelangen und das Stück ebenfalls aufführen konnte, denn Copyright-Regelungen gab es natürlich nicht. Dennoch entstanden inoffizielle Nachdrucke von Stücken, denn es herrschte eine rege Nachfrage.

 Dichter und Geschäftsmann

Shakespeare war allerdings mehr als nur ein Stückeschreiber. Er versuchte sich, zumal die Theater Londons wegen der Pest-Epidemien zeitweise schließen mussten, auch im eigentlichen Medium der Dichter jener Zeit, im epischen Gedicht und in der Lyrik. Er schrieb 1593 die zwei Verserzählungen Venus and Adonis und Lucrece, die er seinem adeligen Gönner Henry Wriothesley, Earl of Southampton zueignete. Auch ein Zyklus von 154 Sonetten erschien 1609. Diese Arbeit umgeben zahlreiche Geheimnisse schon außerhalb des Textes, weil nicht klar ist, wer in einem kurzen Verleger-Vorspann, der meist als "Widmung" gelesen wird, mit "the only begetter" und "Mr. W.H." gemeint ist. Vielleicht handelt es sich bei dieser Sonetten-Publikation auch um einen Raubdruck.

1597 war Shakespeare bereits Mitbesitzer des Londoner Globe Theatre, das seine Truppe als Nachfolger für das Theatre baute, dessen Pachtvertrag ausgelaufen war. Die Lord Chamberlain’s Men benannten sich nach ihrem Mäzen und Sponsor, dem Lord Chamberlain, und sie waren auch am Hof der Königin Elisabeth gern gesehen. Später, unter Elisabeths Nachfolger Jakob I. durften sie sich dann sogar nach dem königlichen Gönner King’s Men nennen.

Als Schauspieler, Stückeschreiber, aber vor allem als kaufmännischer Teilhaber des erfolgreichen Globe erwarb sich Shakespeare ein beträchtliches Vermögen und Einfluss, so dass ihm 1596 für seine Verdienste ein Familienwappen gewährt wurde, das sein Vater schon 1576 erfolglos beantragt hatte. 1597 kaufte Shakespeare sich das zweitgrößte Haus in seiner Geburtsstadt Stratford, New Place. Aus dem Jahr 1598 ist ein Brief erhalten, in dem sich ein gewisser Richard Quiney bei Shakespeare für ein Darlehen von 30 Pfund bedankt. (18 Jahre später heiratete William Shakespeares Tochter Judith dessen Sohn Thomas.)

1596 baute der Theaterunternehmer James Burbage das Blackfriars Theatre, an dem sich später auch Shakespeare beteiligte, ein im Gegensatz zum Globe überdachtes Theater, in dem seine Truppe von nun an während der Wintermonate spielte. Das Publikum dort war exklusiver als in den großen Freilichtbühnen. Überhaupt gab es unter Jakob I. stärker sichtbare Gegensätze als zuvor zwischen einem kultivierten Publikum und dem "Volk".

 

Die letzten Jahre

Mit 46 Jahren kehrte Shakespeare wohlhabend nach Stratford zurück und verbrachte dort seine letzten Lebensjahre, wobei er die Verbindungen zu seinen ehemaligen Kollegen jedoch nicht ganz abreißen ließ, und noch bei einigen Theaterproduktionen als Mitautor beteiligt war.

Shakespeare starb in Stratford im Jahr 1616 und wurde in der Holy Trinity Church beigesetzt. Die genaue Todesursache ist nicht bekannt. So ranken sich auch um seinen Tod allerlei Gerüchte.
Bei einer chemischen Untersuchung von Bruchstücken von Tabakspfeifen, die auf Shakespeares Grundstück in Stratford gefunden wurden, fanden sich Spuren von Marihuana und Kokain, das im 16. Jahrhundert erstmals von Südamerika nach Europa eingeführt wurde. Dies gab Anlass zu Spekulationen, Shakespeare habe womöglich Drogen konsumiert; es wird auch auf die Verwendung der Ausdrücke noted weed und compounds strange in Sonnet 76 verwiesen. Spekulationen dieser Art halten jedoch ernsthafter Nachprüfung nicht stand.

1623 wurde von den Bürgern Stratfords in der Altarwand der Kirche ein Gedenkstein errichtet, mit einer steinernen Büste und einer lateinischen Inschrift. Shakespeares ehemalige Theaterkollegen John Heminges und Henry Condell veröffentlichten seine Werke unter dem Titel Mr William Shakespeare's Comedies, Histories and Tragedies in einem großformatigen Buch, Folio genannt, der erste Versuch einer Gesamtausgabe. Die Folio Edition enthält nicht nur die Stücke, sondern auch ein Vorwort und ein Lobgedicht des zu jener Zeit populären Dichters Ben Jonson, worin Shakespeare so gewürdigt wird:

Triumph my Britain, thou hast one to show
To whom all scenes of Europe homage owe.
He was not of an age, but for all time! ...

(Triumphiere, mein Britannien, du hast einen,
dem alle Bühnen Europas huldigen,
er war nicht für eine Ära, sondern für alle Zeiten.)

Das Porträt, das die Titelseite der Folio Edition schmückt, ist das einzige Bild Shakespeares, von dem man annehmen kann, dass der Künstler Martin Droeshout ihn noch persönlich gesehen haben könnte.

 Shakespeares Sprache

Shakespeares Dramen waren keine "Schau"spiele im modernen Sinn, sondern Sprach-Spiele. Man ging im elisabethanischen England nicht ins Theater, um ein Drama zu "sehen", sondern zu "hören" ("hear a play"), und vieles, das man heute, vor allem im Film, mit Bildern darstellen würde, wird in Shakespeares Stücken allein durch Worte dargestellt. "Word scenery" bedeutet soviel wie "Kulissen aus Wörtern".

Eine Aufführung im Globe fand am Nachmittag unter freiem Himmel statt, und so konnten beispielsweise Szenen, die in der Nacht spielen, nicht durch Abschalten der Beleuchtung erschaffen werden, sondern durch Worte. "There's husbandry in heaven, their candles are all out" (Es ist Sparsamkeit am Himmel, ihre Kerzen sind alle aus) sagt Banquo in "Macbeth" und malt damit in der Vorstellung der Zuhörer die für den Mord am König so geeignete dunkle sternlose Nacht.

Shakespeare war vor allem ein Virtuose der Sprache. 34.000 Wörter zählt man in seinen Werken, etwa doppelt so viel, wie ein gebildeter Engländer heutzutage in seinem ganzen Leben braucht. Der Wortschatz eines normalen Deutschen beträgt im Durchschnitt nicht mehr als 10.000, für die meisten Alltagssituationen reichen weniger als 1000 Wörter.

Es gab zu Shakespeares Zeit eine große Freiheit der Sprache, wie man schon an der Tatsache sieht, dass er seinen eigenen Namen nicht immer gleich schrieb. Und es war viel eher als heute möglich, neue Wörter zu erfinden, wenn sich die Notwendigkeit ergab. Shakespeare erschuf mehr neue Wörter, als jeder andere englische Dichter und bereicherte so seine Sprache in überwältigender Weise. Viele Wörter, die heute ganz alltäglich sind, wurden zum ersten Mal in einem seiner Stücke verwendet. (zum Beispiel multitudinous, accomodation, premeditated, assassination, submerged, obscene, und viele andere).

 Spekulationen um die Urheberschaft seiner Werke

Ein bekannter Scherz lautet: Shakespeares Werke sind nicht von ihm geschrieben worden, sondern von einem anderen Mann gleichen Namens. Hintergrund dafür ist, dass immer wieder Debatten darüber geführt werden, dass der Dichter der shakespeareschen Werke kein einfacher Mann von geringer Bildung aus der Provinz gewesen sein könne. Dabei war die Grammar School in Stratford keineswegs eine zweitklassige Ausbildungsstätte: Die Schüler lernten die klassischen Sprachen und schrieben schon während der Schulzeit kleine Dramen nach dem Muster der klassischen Stücke, die übersetzt und analysiert wurden; eine bessere Schulausbildung gab es gar nicht. Es gibt aber - bei Autoren des sechzehnten Jahrhunderts keine Ausnahme - keine Original-Handschriften von Shakespeare, abgesehen von ein paar Unterschriften.

In der Shakespeareforschung herrscht allgemeine, nur von sehr wenigen Forschern nicht geteilte Übereinstimmung darüber, dass Zweifel an William Shakespeares Autorschaft als grundlos anzusehen sind und sämtliche Verfassertheorien einer näheren Überprüfung nicht standhalten. Dagegen ist die Geschichte der Shakespearefrage ein inzwischen vielerforschtes Gebiet. Allerdings ist mit den neueren, an Michel Foucault anschließenden diskursanalytischen Theorien der Funktion des Autorbegriffs auch die "Shakespearefrage" auf einer neuen Ebene wieder diskutabel geworden (Margreta de Grazia, Leah S. Marcus): Gefragt wird dann nicht nach der konkreten Identifikation einer bestimmten Person als Verfassser der Shakespeareschen Werke, sondern nach der Bedeutung, die eine Zuschreibung dieses Textkorpus an die Autorinstanz Shakespeare für das Verständnis der Texte hat.

Die Debatte um die "wahre" Verfassserschaft wurde im Jahr 1857 von der Amerikanerin Delia Bacon eröffnet. Sie behauptete, Francis Bacon (mit dem sie aber nicht näher verwandt war) sei der Verfasser der Dramen und Gedichte gewesen. Ihre Publikation löste eine ganze Welle von Spekulationen aus, bei der immer neue mögliche Kandidaten ins Spiel gebracht wurden und bis heute werden. Die meistgenannten Kandidaten sind neben Bacon drei Adelige: William Stanley (6th Earl of Derby), Roger Manners (5th Earl of Rutland) und Edward de Vere (17th Earl of Oxford), aber auch Shakespeares gleichaltriger Zeitgenosse Marlowe wurde genannt. Auch Frauen befinden sich unter den Anwärtern: Shakespeares Frau Anne Hathaway, eine wahrscheinlich fiktive Anne Whateley und sogar Königin Elisabeth. In jüngster Zeit wurde von der amerikanischen Hobbyforscherin Robin Williams die Gräfin Mary Pembroke vorgeschlagen. Daneben gibt es noch zahllose weitere Theorien. Im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert haben sich auch sehr bekannte und angesehene Personen, unter den deutschsprachigen etwa Sigmund Freud und Georg Cantor an der Debatte beteiligt.

 

Rezeption in Deutschland

In Deutschland hat die Shakespeare-Rezeption eine wechselvolle Geschichte, in der der Dichter für die verschiedensten Interessen in Dienst genommen, jedoch stets aufs Höchste bewundert wurde.

Von größter Bedeutung ist Shakespeare für die Literaturtheorie der Aufklärung bei Gotthold Ephraim Lessing (im 17. Literaturbrief 1759), für die Dramatiker des Sturm und Drang etwa bei Heinrich Wilhelm von Gerstenberg (Briefe über Merckwürdigkeiten der Litteratur, 1766/67), bei Johann Gottfried Herder (Von deutscher Art und Kunst, 1773) und Johann Wolfgang von Goethe (Rede zum Shäkespears Tag, 1771); jedoch ebenso für die deutsche Romantik und die Dramentheorie des 19. Jahrhunderts. Der im frühen 18. Jahrhundert noch tonangebende Theoretiker Johann Christoph Gottsched, der dem französischen Klassizismus des 17. Jahrhunderts verpflichtet war und dem folglich die den drei Aristotelischen Einheiten entsprechenden französischen Stücke viel eher zusagten, äußerte sich noch - wie Voltaire vor ihm - recht abfällig über Shakespeare. Doch nun wurde Shakespeare über die Bewunderung der neuen literarischen Wortführer zum Prototyp des Genies. Die Enthusiasten – jeder ernsthafte Dichter in Deutschland zwischen Lessing und Bertolt Brecht war ein Shakespeare-Enthusiast – feierten mit großer Einstimmigkeit die „Colossalische Grösse“ (Goethe) der Shakespeareschen Figuren und die vorerst unbeschreibliche Meisterschaft des Autors. Goethe ruft als junger Mann begeistert aus: „[...] Natur! Natur! nichts so Natur als Schäkespears Menschen“.

Dass die Deutschen eine besondere Affinität zu Shakespeare haben und ihn, neben Goethe und Schiller, mitunter gern als ihren „dritten deutschen Klassiker“ beanspruchen, lässt sich auch an der bereits 1864 erfolgten Gründung der Deutschen Shakespeare-Gesellschaft ablesen.

Unübersehbar ist darum die Flut der Eindeutschungen Shakespeares seit über 250 Jahren. Bekannte Übertragungen der Dramen Shakespeares ins Deutsche sind die Ausgaben Christoph Martin Wielands, Eduard Wilhelm Sievers', die Schlegel-Tieck-Ausgabe (August Wilhelm Schlegel, Wolf von Baudissin, Ludwig Tieck und Dorothea Tieck), sowie in neuerer Zeit die Übersetzungen von Erich Fried und Frank Günther. Eine Nacherzählung einzelner Werke von Shakespeare, die sich an Kinder richtet, gibt es von Franz Fühmann.

In den letzten Jahren hat sich die Übersetzertätigkeit vor allem auf die Sonette konzentriert, an denen sich bereits seit dem neunzehnten Jahrhundert viele Schriftsteller versucht haben und von denen inzwischen fast jedes Jahr neue Versionen erscheinen.

[Quelle: Wikipedia]