"Der fröhliche Weinberg"


von Carl Zuckmayer

Eine Aufführung des Theatervereins Weinsberg e.V.
Regie:
Jürgen M. Brandtner, Stuttgart

Der fröhliche Weinberg.

Ein Weinörtchen in den Zwanzigerjahren. Jean Baptiste Gunderloch, verwitweter Weingutsbesitzer in den besten Jahren, will sich zur Ruhe setzen. Er will die Hälfte seines Besitzes verkaufen und sich von dem Erlös einen bescheidenen Lebensabend gönnen. Die andere Hälfte soll seine Tochter Klärchen bekommen, als “eine Mitgift, die sich gewaschen hat.”


  

Bedingung für seine Einwilligung in deren Heirat ist allerdings ihre freiwillige Schwangerschaft vor der Hochzeit, also der Beweis der Zeugungskraft des potenziellen Schwiegersohnes, denn Gunderloch ist der festen Überzeugung, ohne Kinder gebe es kein eheliches Glück. Seine verstorbene Frau konnte keine Kinder bekommen, Klärchen ist adoptiert. Seiner Tochter soll die Kinderlosigkeit erspart bleiben. Klärchen ist mit dem ehemaligen Couleurstudenten (und Mitgiftjäger) Knuzius verlobt, empfindet aber nur noch Abscheu für ihn. Da taucht am gleichen Tage wie die Kaufinteressenten für das Weingut auch ihre große, uneingestandene Liebe wieder auf: der Schiffer Jochen Most, Bruder der Haushälterin ihres Vaters, Annemarie, die ihrerseits wiederum ein Auge auf Gunderloch geworfen hat. Die Verwicklungen können beginnen ... Carl Zuckmayer entwickelt aus dieser Ausgangssituation eine vergnügte, volkstümliche, aber nicht banale Liebeskomödie, die auch mit Seitenhieben auf mancherlei Gestalten der Zeit nicht spart. Verbindungsstudenten, Beamte, Kriegsveteranen, Deutschtümelnde und Judenhasser bekommen gleichermaßen ihr Fett ab, was nicht unerheblich zu den Dutzenden von Theaterskandalen nach der Uraufführung 1925 beitrug.

Das Leben von Carl Zuckmayer

Carl Zuckmayer, Sohn eines Fabrikanten für Weinflaschenkapseln in Nackenheim, wuchs von 1900 an in Mainz auf. Er war kein begeisterter Schüler und hatte oft Ärger mit seinen Lehrern. Als in der Oberprima ein kränkelnder Lehrer seinetwegen beinahe in Ohnmacht gefallen war, konnte er nur knapp dem Schulverweis entgehen. 1914 machte er ein "Notabitur" am heute altsprachlichen Rabanus-Maurus-Gymnasium im Mainz, was ihm ermöglichte, sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Bis 1918 war er Soldat an der Westfront. Nach Kriegsende studierte er bis 1920 u. a. Jura, Literaturgeschichte und Soziologie in Frankfurt am Main und Heidelberg.

Von 1917 an veröffentlichte er Gedichte in expressionistischen Zeitschriften, darunter in der von Franz Pfemfert herausgegeben "Aktion". Im Dezember 1920 wurde sein Drama "Kreuzweg" am Staatlichen Schauspielhaus Berlin uraufgeführt, aber bereits nach drei Aufführungen wieder abgesetzt. Lobende Besprechungen erhielt es lediglich von Herbert Ihering und Siegfried Jacobsohn.

1920 heiratete er seine Mainzer Jugendliebe Annemarie Ganz, von der er sich 1921 wieder scheiden ließ, nachdem er eine leidenschaftliche Liebesaffaire mit der Schauspielerin Annemarie Seidel, genannt Mirl, begonnen hatte. Bis 1922 schlug er sich als (Bänkel-) Sänger in Kneipen und mit Gelegenheitsarbeiten durch (u. a. als Statist beim Film, und als Anreißer für illegale Vergnügungslokale in Berlin, kurzfristig auch als Drogendealer, dies ließ er jedoch sehr schnell, da er beinahe verhaftet wurde), bis er Engagements als Dramaturg in Kiel, München und (zusammen mit Bertolt Brecht) am Deutschen Theater Berlin erhielt. Dort lernte er die Wiener Schauspielerin Alice Frank, geborene von Herdan, kennen, die er 1925 heiratete. Aus einer vorangegangenen Ehe mit dem kommunistischen Funktionär Karl Frank hatte sie eine Tochter (Michaela), deren Stiefvater Zuckmayer nun wurde. 1926 wurde seine leibliche Tochter "Maria Winnetou" geboren.

 

Der literarische Durchbruch gelang ihm im Dezember 1925 mit der Komödie "Der fröhliche Weinberg", die kurz zuvor von Paul Fechter mit dem Kleistpreis ausgezeichnet worden war. Sie führte vor allem wegen der parodistischen Darstellung eines Korpsstudenten zu zahlreichen Skandalen, wurde aber dennoch das meistgespielte Theaterstück in den 1920er Jahren. Von seinen Tantiemen kaufte sich Zuckmayer 1926 ein Haus in Henndorf bei Salzburg, wo er nun überwiegend lebte, obwohl Berlin weiterhin sein berufliches Zentrum blieb.

Dort feierte er 1927 mit der Uraufführung von "Schinderhannes" den nächsten Theatererfolg. Dieses Stück wollte er als expliziten Gegenentwurf zum politischen Theater von Erwin Piscator verstanden wissen: "Im Fröhlichen Weinberg war es mir gelungen, die Leute so von Herzen zum Lachen zu bringen, wie sie selten im Theater lachen können. Nun lag es mir am Herzen, die Leute auch einmal flennen zu lassen. Ich wollte wieder Menschen vom Gefühl her auf dem Theater ansprechen, gegen die sogenannte neue Sachlichkeit, gegen das lehrhaft-politische Theater, das in dieser Zeit begann." 1929 folgte das Volkstück "Katharina Knie",eine Seiltänzerkomödie, das wieder großen Publikumszuspruch fand, bei der Kritik allerdings – wie übrigens alle Stücke Zuckmayers nach dem "Fröhlichen Weinberg" - durchfiel. Zu dieser Zeit arbeitete er auch am Buch zu dem berühmten Film "Der blaue Engel" mit, der nach dem Roman "Professor Unrat" von Heinrich Mann gedreht wurde und im Frühjahr 1930 in die Kinos kam.

Seinen größten Erfolg in den Jahren der Weimarer Republik hatte er 1931 mit der Komödie "Der Hauptmann von Köpenick. Ein deutsches Märchen". 160.000 Mark an Tantiemen (damals das Lebenseinkommen eines Schwerstarbeiters) trug sie ihm allein im ersten Jahr nach der Uraufführung ein, aber auch den Hass der Nationalsozialisten, denen die antimilitaristische Tendenz des Stücks zuwider war. Nach dem "Anschluss" Österreichs 1938 sah sich Zuckmayer, dessen Mutter aus einer assimilierten jüdischen Familie stammte und der in der deutschen Emigration zunächst als Prototyp des "Halbemigranten" (Alfred Döblin) galt, nun doch zur Flucht gezwungen, zuerst in die Schweiz, dann in die USA, wo er in Hollywood als Drehbuchautor arbeitete. Da er sich dort jedoch in seiner Existenz als Künstler bedroht sah, pachtete er ab 1941 eine Farm in Vermont, die er bis Kriegsende bewirtschaftete. 1943 schrieb er für den ersten amerikanischen Auslandsgeheimdienst, das "Office of Strategic Services" (OSS), Dossiers über Schauspieler, Regisseure, Verleger und Journalisten, die während der Zeit des Dritten Reiches in Deutschland erfolgreich waren. Dabei machte er die ganze Spannbreite der Verhaltensmöglichkeiten in einer Diktatur von Anpassung bis hin zu Renitenz anhand von 150 exemplarischen Lebensläufen sichtbar. Diese Dossiers wurden erst 2002 als "Geheimreport" veröffentlicht.

Ein Jahr nach Kriegsende, 1946, kehrte Zuckmayer als ziviler Kulturbeauftragter des amerikanischen Kriegsministeriums erstmals nach Europa zurück. Nach einer fünfmonatigen Inspektionsreise schrieb er einen umfangreichen "Deutschlandbericht", in dem er zahlreiche besatzungspolitische Maßnahmen kritisierte und eine Reihe konkreter Änderungsvorschläge machte.

Sein 1946 in Zürich uraufgeführtes Stück Des Teufels General, das unter dem Eindruck des Todes von Ernst Udet entstanden war, war sein größter Nachkriegserfolg auf dem westdeutschen Theater. Allein in der Spielzeit 1948/49 wurde es 2069 Mal gespielt. Mit Dramen wie "Der Gesang im Feuerofen" (1950) über Widerstand und Kollaboration in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs und "Das kalte Licht" (1955) über einen Fall von Atomspionage war Zuckmayer im Westen auch in den 1950er Jahren der erfolgreichste deutsche Dramatiker. Das führte auch zu zahlreichen Verfilmungen, u. a. durch Helmut Käutner. Mit Beginn der 1960er Jahre sank das Interesse an seinen Stücken rapide, weil ihr formaler Traditionalismus nicht mehr dem Zeitgeschmack von Regisseuren und Intendanten entsprach. Über die Gründe für diese Entwicklung verständigte sich Zuckmayer in den 1970er Jahren in einem ebenso kurzen wie aufschlussreichen Briefwechsel mit Tankred Dorst.

Bis 1957 behielt Zuckmayer, der im Januar 1946 die 1943 von ihm beantragte amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, seinen Wohnsitz in Woodstock (Vermont) (USA). Einen Antrag auf Wiedereinbürgerung in Deutschland zu stellen, lehnte er ab. 1957 erwarb er in Saas-Fee im Schweizer Kanton Wallis ein Haus und übersiedelte wieder nach Europa. 1966 wurde er Schweizer Staatsbürger.

In diesem Jahr veröffentlichte er auch seine Autobiographie "Als wär’s ein Stück von mir", die ein Bestseller wurde und sich bis heute weit über eine Million Mal verkaufte.

1967 nahm Zuckmayers Freundschaft mit dem damals weltbekannten Basler evangelischen Theologen Karl Barth ihren Anfang, die für Zuckmayer eine späte und vertiefte Auseinandersetzung mit theologischen Fragen mit sich brachte. Zuckmayer selber sah sich in dieser Zeit als einen kritischen, aber getrosten Katholiken:„Aber wenn ich einem meiner literarischen Kollegen gestehen würde, daß für mich die Eucharistie ein echter Trost ist- ich habe am letzten Sonntag daran teilgenommen und werde es an diesem wieder tun- so würden die mich für hirnverbrannt halten...“ (Brief an Barth vom 10. April 1968)

Zuckmayers Nachlass befindet sich im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar. Materialien über die Emigrationszeit befinden sich im Privatarchiv von Dr. Richard Albrecht in Bad Münstereifel.

Quelle: [Wikipedia]