Die listigen Weiber (Stück nach Alexander Bertsch)

 

Wir alle kennen sie: die rührende Geschichte der treuen Weiber von Weinsberg, die ihre Ehemänner auf dem Rücken aus der belagerten Burg tragen. Der Vorfall ist rasch erzählt: Im Jahre 1140 geraten die Weinsberger zwischen die Fronten eines seit Jahren schwelenden Machtkampfes um die deutsche Königskrone. Nach sechswöchiger Belagerung besiegt Konrad III., der Stauferkönig, seinen Widersacher und Verwandten, Herzog Welf VI., in offener Feldschlacht.

Die Burg Weinsberg muß sich ergeben. Den Männern droht die Hinrichtung, die Frauen können ungehindert ziehen und haben das Versprechen des siegreichen Königs, dass jede mit sich forttragen dürfe, "was sie auf ihren Schultern vermöchte". Das Ergebnis, wie gesagt, kennen wir. Der Unterländer Autor Alexander Bertsch hat für den Theaterverein Weinsberg nun aus der Geschichte der legendären "treuen Weiber" die der "listigen Weiber" gemacht. Und in diesem Sinne erzählt er den folkloristisch abgegriffenen Stoff neu: witzig, mit viel Tempo und mit ironischer Brechung. Seine Frauen sind selbstbewusste und rebellische Geschöpfe, die bei aller Herzenswärme die männliche Weltordnung nicht widerspruchsfrei hinnehmen, um in Demut und Selbstaufgabe aufzugehen. Zwar müssen sie am Ende doch vor den realen Verhältnissen von Herrschaft und Unterdrückung, von Macht und Ohnmacht kapitulieren, aber das Stück lädt ein zum Nachdenken darüber, was und wie es auch sein könnte oder hätte sein können. Nicht zuletzt durch ebenso freche wie poetisch anrührende Songs, für die der Autor eine einfühlsame musikalische Sprache gefunden hat. Alexander Bertsch. Die listigen Weiber von Weinsberg.