Bauernoper von Yaak Karsunke
Musik von Peter Janssens

"Verlangt das Volk nach Freiheit
dann schlägt man's einfach tot
und stillt der Armen Hunger
mit Prügeln statt mit Brot"

"Deutschland im 15. Jahrhundert : rund zwölf Millionen Bewohner. Drei Viertel von ihnen sind Bauern, meist hörig oder leibeigen. Boden und Bauern gehören geistlichen oder weltlichen Feudalherren. Die Erbfolge zersplittert die Höfe, die Abgaben ruinieren sie. Im Jahre 1500 sind die deutschen Höfe durchschnittlich über die Hälfte ihres Werte verschuldet."

 

Der aus diesem Massenelend resultierende Bauernkrieg von 1525, die "erste radikaldemokratische Volkserhebung in Deutschland" (Karsunke) und ihr Scheitern, sind Thema der Bauernoper. Eindringlich, auf manches Mal amüsante, dann wieder erschütternde, aber nie langweilige Weise wird dem Zuschauer nahegebracht, was seinen Vorfahren vor fast 500 Jahren widerfuhr, welche Geschehnisse sich in der unmittelbaren Umgebung, vor allem auch in Weinsberg, ereigneten. "Ein einfaches Stück über einfache Leute" : so bezeichnet der Autor selbst sein Stück. Als Auftragsarbeit für das Landestheater Tübingen entstanden und dort am 19. April 1973 uraufgeführt, hat die Bauernoper das Ziel, die Geschichte der gemeinen Leute des Jahres 1525 aus ihrer Sicht zu zeigen. Yaak Karsunke wollte den "Geburtsfehler des deutschen Geschichtsdramas, Drama der Großen Männer zu sein, " überwinden. Konsequenterweise schrieb er ein Stück, in dem es keine dominante Figur gibt, sondern eine Reihe bunter geschichtlicher Szenen, in denen Vertreter aller Schichten, Bauern, Adelige, Bürger, gleichgewichtig vertreten sind. Spielszenen, Kommentare und Lieder wechseln einander ab. Die mitreißenden Songs und Melodien von Peter Janssens fügen sich hervorragend ein, geben der Aufführung stellenweise den Charakter einer Revue, eines Jahrmarktes wie dem im Stück, auf dem Tetzel seine Ablaßbriefe verkauft. Trotz aller volksaufklärerischen Absichten ist die Bauernoper also nichts weniger als ein staubiges, langweiliges Stück Belehrungstheater, sondern vielmehr exzellente Unterhaltung, die es ganz nebenbei schafft, Heimatgeschichte auf sowohl packende als auch zum Nachdenken anregende Weise aufzubereiten.